Späte HIV-Diagnose: Bewältigung eines dauerhaften Problems

Februar 25, 2019 |

Deutschland hat „90-90-90“-Ziele der UN fast erreicht

Um Aids einzudämmen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sich ein globales Ziel gesetzt, wonach 90 Prozent der Menschen mit HIV von ihrer Infektion wissen, 90 Prozent der Infizierten Medikamente erhalten und 90 Prozent davon wiederum aufgrund der erhaltenen Antiretroviralen Therapie (ART) „unter der Nachweisgrenze“ liegen. (1) Damit ist das Virus nicht mehr übertragbar. Deutschland erreicht nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) aus dem Jahr 2017 mit einer Versorgungsrate von 87-92-95 das UN-Ziel fast (2).

Viele HIV-Infizierte noch ohne Diagnose

Die Zahlen zeigen, dass in Deutschland Betroffene nach einer positiven HIV-Diagnose schnell und erfolgreich mit einer ART versorgt werden, jedoch wächst auch die Zahl derer, die von ihrer HIV-Infektion nichts wissen. Über 11.000 Menschen in Deutschland leben mit HIV ohne entsprechende Diagnose und folglich ohne entsprechende Therapie (2). Jährlich erkranken deshalb in Deutschland unnötigerweise mehr als 1.000 Menschen an Aids.

In den ersten Jahren der HIV-Epidemie hatte eine an Aids erkrankte Person eine Lebenserwartung von unter einem Jahr.(3) In San Francisco betrug die durchschnittliche Überlebenszeit nach einer Aids-Diagnose in den Jahren 1981 bis 1985 nur 10,1 bis 12,6 Monate (3). 1985 wurde dann der erste Bluttest zur Diagnose von HIV entwickelt.(4) Heute gleicht die Lebenserwartung eines Menschen, der frühzeitig diagnostiziert wird und eine ART beginnt, annähernd der Lebenserwartung der Allgemeinbevölkerung.(5)

Während die HIV-Diagnoserate in Deutschland immerhin 87 % beträgt, liegen die durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2018 veröffentlichten Ziele weltweit lediglich bei 75-79-81.(6) Die Annäherung an die Ziele der WHO hängt dabei stark von der Konzentration auf Gruppen und Gebiete mit hoher Prävalenz ab. Zusätzlich muss zur Diagnose und Überwachung von HIV der Zugang zu qualitativ hochwertigen Tests und zu Testmöglichkeiten erleichtert werden.(1) Viele Menschen mit HIV werden jedoch spät diagnostiziert, obwohl zuverlässige Tests weit verbreitet sind.(7,8,9,10)

Späte Diagnose das Problem in Europa

Eine späte Diagnose bedeutet im Allgemeinen, dass eine Person diagnostiziert wird, wenn ihre CD4-Zellzahl unter 350 Zellen/mm3 (Kubikmilimeter) liegt. Eine Person, bei der die CD4-Zellzahl unter 200 Zellen/mm3 liegt, hat einen „fortgeschrittenen Immundefekt“. Patienten mit dieser Zellzahl können dabei ohne erkennbare Krankheitszeichen leben oder aber bereits Aids definierende Erkrankungen aufweisen, wie das Kaposi-Sarkom, eine Pneumocystis Pneumonie oder eine Cytomegalovirus-Retinitis.

Menschen, die mit einer ART erst bei einer CD4-Zellzahl unter 350 Zellen/mm3 beginnen, haben zusätzlich eine schlechtere Prognose und verursachen höhere Krankheitskosten als Personen mit einer höheren Zellzahl.(9) Eine Studie aus England und Wales berichtete, dass Menschen, die zu spät diagnostiziert wurden, 3,5-mal häufiger starben, meist an Aids definierenden Krankheiten. Die Mortalität lag im Jahr nach einer späten Diagnose im Vergleich zu Betroffenen mit einer frühen Diagnose zehnmal höher.(5) Spät diagnostizierten Personen ist in der Regel nicht bewusst, dass sie vor ihrer Diagnose bereits etwa drei bis fünf Jahre HIV-positiv waren(7) und dadurch die Ansteckung Dritter mit HIV deutlich höher ist als bei frühzeitig diagnostizierten Personen.(9)

Die Mehrzahl der Aids-Erkrankungen in Deutschland wird laut RKI bei Menschen diagnostiziert, deren HIV-Infektion bis dahin nicht bekannt war. Bei MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) zeigten etwa 30 % bei einer HIV-Diagnose einen fortgeschrittenen Immundefekt, davon knapp die Hälfte bereits Symptome einer Aids definierenden Erkrankung.(2)

Insgesamt schätzt das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, dass je nach Land bis zu 43 % der HIV-Infizierten in Europa nicht diagnostiziert werden. Durchschnittlich 47 % der HIV-Fälle werden zu spät diagnostiziert und 28 % der Menschen leiden an einem fortgeschrittenen Immundefekt. In neun europäischen Ländern, darunter Italien, Griechenland und Schweden, liegt der Anteil der Menschen mit HIV, die spät diagnostiziert werden, bei über 50 %.(10)

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„Durch eine frühzeitige Diagnose können Menschen mit HIV schneller eine Antiretrovirale Therapie beginnen, was ihre Chancen auf ein langes und gesundes Leben erhöht und das Übertragungsrisiko senkt“, sagt Tania MacKenzie, Senior Product Manager für den Bereich Diagnostics bei Owen Mumford Ltd. „Die Zuverlässigkeit und die schnellen Ergebnisse, die Point-of-Care-Tests wie Simplitude™ Pro HIV (1 & 2) bieten, werden in ambulanten Einrichtungen weltweit dazu beitragen, dass sich die Zahl der spät diagnostizierten Personen verringert. Dadurch werden sich die Therapieerfolge für Menschen, die mit HIV leben, weiter verbessern.

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Literatur:
1 Habiyambere V, Dongmo Nguimfack B, Vojnov L et al Forecasting the global demand for HIV monitoring and diagnostic tests: A 2016-2021 analysis PLOS ONE 2018;13:e0201341
2 Robert-Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 47/2018.
3 Lemp GF, Payne SF, Neal D et al Survival trends for patients with Aids JAMA 1990;263:402-406
4 Greene WC A history of Aids: Looking back to see ahead European Journal of Immunology 2007;37:S94-S102
5 Croxford S, Kitching A, Desai S et al Mortality and causes of death in people diagnosed with HIV in the era of highly active antiretroviral therapy compared with the general population: An analysis of a national observational cohort The Lancet Public Health2017;2:e35-e46
6 UNAids 2017 global HIV statistics Available at www.unAids.org/sites/default/files/media_asset/UNAids_FactSheet_en.pdf
7 Public Health England Trends in new HIV diagnoses and people receiving HIV-related care in the United Kingdom: data to the end of December 2017 Available at assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/738222/hpr3218_hiv17_v2.pdf
8 Levy I, Maor Y, Mahroum N et al Missed opportunities for earlier diagnosis of HIV in patients who presented with advanced HIV disease: A retrospective cohort study BMJ Open 2016;6:e012721. DOI:10.1136/bmjopen-2016-012721
9 Op de Coul ELM, van Sighem A, Brinkman K et al Factors associated with presenting late or with advanced HIV disease in the Netherlands, 1996–2014: results from a national observational cohort BMJ Open 2016;6:e009688. 10.1136/bmjopen-2015-009688
10 European Centre for Disease Prevention and Control HIV testing Monitoring implementation of the Dublin Declaration on Partnership to Fight HIV/Aids in Europe and Central Asia: 2017 progress report Available at ecdc.europa.eu/sites/portal/files/documents/HIV%20testing.pdf

 

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